Woran es liegt, dass Kommunikation so schwer ist

Wer kennt das nicht, innerhalb von Beziehungen, dass es immer wieder zu Missverständnissen kommt, weil der eine etwas sagt, das der andere falsch versteht.

Ein Beispiel dazu:
Stellen wir uns ein Ehepaar vor, das schon einige Jahre verheiratet ist. An ihrem Geburtstag stößt er mit ihr an und sagt ihr: „Ich liebe Dich, mein Schatz!“ Worauf sie ihn anschaut und sagt: „Das kann ich mir nicht vorstellen, denn wenn Du mich lieben würdest, dann würdest Du Deine Worte auch endlich mal in Taten umsetzen. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann Du mir das letzte Mal Blumen geschenkt hast. Und Du siehst mich auch nicht mehr so an, wie Du es früher getan hast.“

Wenn Liebeserklärungen zum Stolperstein werden

In einem anderen Beispiel geschieht genau das Gegenteil. Er bringt seiner Frau jede Woche einen Strauß Blumen mit, um ihr zu zeigen, dass er sie liebt. Sie hält ihm jedoch vor: „Liebst Du mich eigentlich noch? Du hast mir schon seit Jahren nicht mehr gesagt, dass Du mich liebst“

An der Wortwahl dieser beiden Beispiele kann man erkennen, dass die beiden Partner jeweils von einer unterschiedlichen Wahrnehmungsebene aus kommunizieren.

Im ersten Fall nutzt der Mann die auditive Wahrnehmungsebene (Worte – hören), während sie von ihm eine Handlung auf der visuellen Ebene (Blumen – sehen) erwartet. Im zweiten Beispiel ist es genau umgekehrt.

Was geschieht hier?

Kommunikation ist mehr als Sprache

Wir nehmen permanent mit unseren 5 Sinnen etwa 2.000.000 Informationen pro Sekunde aus unserer Umwelt auf. Unser Bewusstsein kann allerdings nur zwischen 5 und 9 davon verarbeiten. Der Rest wird von unserem Gehirn herausgefiltert. Was gefiltert wird, hängt davon ab, welche Erfahrungen wir in unserem Leben gemacht haben, welche Überzeugungen und Glaubenssätze wir haben, welche Werte uns wichtig sind und welchen sozialen, familiären und kulturellen Hintergrund wir haben. Das, was wir also bewusst wahrnehmen, ist nur eine zensierte Ausgabe des Ganzen.

Das bedeutet als Folge, dass der größte Teil der Informationen erst garnicht den Weg bis zu unserem Bewusstsein schafft und somit das, was wir als Realität beurteilen, lediglich eine Interpretation dessen ist, was wir glauben wahrzunehmen.

Und hier fängt das erste Problem innerhalb der Kommunikation an. Da wir alle aufgrund unterschiedlicher Erfahrungen, Werte, Überzeugungen und Glaubenssätze, kultureller, familiärer und sozialer Hintergründe, andere Filterungsprozesse haben, ergibt sich am Ende bei jedem eine unterschiedliche Interpretation der Realität.

Doch das ist nicht die einzige Hürde, die wir nehmen müssen, um miteinander zu kommunizieren. Eine weitere Herausforderung besteht in der Nutzung der verschiedenen Wahrnehmungskanäle.

Um die Welt um uns herum wahrzunehmen und unsere Erlebnisse daraus zu verarbeiten und innerlich wieder zu repräsentieren, nutzen wir Worte, Klänge, Bilder, Gefühle, Gerüche oder einen Geschmack, an die wir uns später wieder erinnern können und die letztlich unser Bild von der Welt gestalten. Im NLP spricht man von den Repräsentationssystemen.

V – visuell (sehen)
A – auditiv (hören)
K – kinsästhetisch (fühlen)
O – olfaktorisch (riechen)
G – gustatorisch (schmecken)

In der Regel nutzen wir alle Kanäle zur Wahrnehmung und Verarbeitung, jedoch kann man feststellen, dass Menschen dazu neigen entweder generell oder in bestimmten Tätigkeitsbereichen eine bestimmte Wahrnehmungsebene zu bevorzugen.

Entsprechend drücken wir uns generell oder in den jeweiligen Tätigkeitsbereichen über diese Ebene aus, was zum Beispiel innerhalb Partnerschaften zu Missverständnissen führen kann. Es ist so als spräche man zwei unterschiedliche Sprachen.

Was Du tun kannst, um solche Missverständnisse zu verstehen

An der Sprache kannst Du sehen auf welche Wahrnehmungsebene zurückgegriffen wird.

Visuell:
„Ich sehe das aus einem anderen Blickwinkel“ oder
„Das bringt vielleicht Licht in die Angelegenheit“ oder
„Das leuchtet mir völlig ein“
„Das lässt tief blicken“
„Ich möchte, dass Du mich ansiehst“

Auditiv:
„Das ist aber taktlos“
„Du erzählst wider nur Märchen“
„Da werde ich hellhörig“
„Da kann ich Dir ein Lied von singen“
„Sie hat sich die Kehle aus dem Hals geschriehen“

Kinästhetisch:
„Mir wird eiskalt, wenn ich daran denke“
„Das muss sich von selbst wieder einrenken“
„Das ist ein ganz schön heißes Eisen“
„Das muss er in den Griff bekommen“
„Mir fällt ein Stein vom Herzen“

Olfaktorisch:
„Ich habe die Nase voll“
„Mir stinkt’s“
„Da hatte ich den richtigen Riecher“
„Ich habe den Braten gerochen“

Gustatorisch:
„Ich bin auf den Geschmack gekommen“
„Da kannst Du Gift drauf nehmen“
„Ich habe es satt“
„Das ist mir sauer aufgestoßen“

Wenn Du über die Sprache feststellen konntest, auf welcher Wahrnehmungsebene Du kommunizierst, dann beobachte Dein Gegenüber, um herauszufinden auf welcher Ebene er mit Dir kommuniziert. Wenn Ihr beide auf derselben Ebene redet, dann kommen bei Euch Missverständnisse vermutlich selten vor, Probleme lassen sich besser lösen, weil Ihr zumindest in derselben Sprache kommuniziert.

Wenn Du allerdings feststellst, dass Dein Gesprächspartner auf einem anderen Sinneskanal mit Dir spricht, dann versuche doch mal Dich auf seine Sprache einzustellen, in dem Du seine Sprachform wählst.

Beispiel:

  1. Dein Partner kommt nach Hause und sagt: „Ich fühle mich heute so bedrückt“ (kinästhetische Ebene)
    Du antwortest: „Ich verstehe. Wo siehst Du denn die Ursache dafür?“ (visuell)
    Dein Partner antwortet: „Ich sehe gar keine Ursache dafür. Ich fühle mich einfach bedrückt“
    Dein Partner wird sich nicht verstanden fühlen und sich mit der Situation nicht gut fühlen.
  2. Dein Partner kommt nach Hause und sagt: „Ich fühle mich heute so bedrückt“ (kinästhetische Ebene)
    Du antwortest: „Ich verstehe, Du fühlst Dich bedrückt. Wo fühlst Du denn diesen Druck am deutlichsten?“
    Dein Partner antwortet: „Auf meinen Schultern!“
    Jetzt wird sich Dein Partner von Dir verstanden fühlen, weil Du in seiner Sprache mit ihm kommuniziert hast.

Probiere es doch mal aus. Vielleicht magst Du Deine Erfahrungen damit auch mit mir teilen. Ich freue mich über Deine Nachricht oder einen Kommentar zu diesem Beitrag. Gerne kannst Du mir auch auf Instagram schreiben.

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